
Am kommenden Sonnabend startet die höchste Männer-Spielklasse des Landes in ihre neue Saison, doch schon vor dem ersten Anpfiff ist klar: Die Liga kämpft um ihr Niveau. Mehr und mehr ältere Spieler haben die Teams verlassen oder stehen nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Junge Talente aber folgen kaum noch nach und so findet in der Saison 2011/12 neben dem Kampf um die Landesmeisterschaft noch ein zweiter Wettbewerb statt: Der um die Zukunftsfähigkeit jeder einzelnen Mannschaft. Die Redaktion von bvsa.de hat einen Blick auf alle zehn Teams geworfen.
USV Halle
Vorjahr: 9-13, 2. RL Ost, Absteiger
Nach einem Jahr Ausflug in die 2. Regionalliga mit einem äußerst unglücklichen Abstiegsende ist der Landesmeister der Jahre 2004, 2009 und 2010 zurück in der Oberliga. Ob es jedoch für den vierten Titel innerhalb von sieben Jahren reicht, darüber ist sich Trainer Florian Pätzolt nicht sicher. “Wir haben viele kleine, aber wenig große Spieler.” Neben den beiden Mähne-Brüdern haben auch Tobias Portius und Felix Heise die Mannschaft verlassen. Einziger Neuzugang ist momentan Aufbauspieler Hannes Fromm, der bereits in Zwickau Regionalliga-Luft schnupperte. Doch selbstbewusst ist man beim USV immer noch: “Wir wollen wieder in die Play-offs, und dort kann dann eine Mannschaft wie wir mit ihrer Erfahriung viel erreichen.” Aber auch Pätzolt weiß, dass mit der besonderen Situation um den HSC 96 (siehe unten) in Halle ein starker Gegner um die Krone existiert.
BSW Sixers II
Vorjahr: 14-4, Play-offs
Ein komplett zusammen gebliebenes Team, verstärkt durch ein Nachwuchstalent, ein engagierter Trainer und ein Stammverein, der mittelfristig Verwendung für eine Regionalliga-Reserve haben könnte - sehen so die Zutaten eines möglichen Landesmeisters aus? Die Sixers werden auf jeden Fall wieder um den Titel mitspielen. Mit Moritz Adler, der - initiiert von Kooperationspartner MBC - vom Halleschen SC 96 nach Sandersdorf kommt und Rückkehrer Michael Preuße ist der Kader noch tiefer geworden, Trainer Marcus Brambora kann auf 13 Spieler zurückgreifen. “Natürlich wollen wir wieder in die Play-offs”, sagt Brambora, “doch das wird schwieriger als in der vergangenen Saison, da es keinen Überflieger mehr wie die Bodfeld Baskets gibt und die Liga viel ausgeglichener erscheint.” Den Grundstein für eine erfolgreiche Spielzeit muss die defensivstärkste Mannschaft der Spielzeit 2010/11 jedoch wohl in der ersten Saisonhälfte legen: Fünf ihrer acht letzten Partien werden die Sixers auswärts bestreiten.
Baskets Wolmirstedt
Vorjahr: 13-5, Play-offs
Das Vizekusen der Liga steckte im Finale des Season Openings in Dessau eine kuriose Niederlage gegen den BC Anhalt ein - doch das ändert nichts daran, dass ein Platz in den Play-offs wohl erneut nur über die Baskets führt. In Toni Kohlmeyer hat die Mannschaft ihren früheren Trainer zurückgeholt. Der aber muss die Abgänge von Michael Heuer, Christoph Gärtner und Benjamin John ausgleichen. Die damit verlorene Routine soll durch viel Einsatz und ein laufstarkes Teamspiel ausgeglichen werden. Konsequent ist auch der Plan, die Jugendspieler Konstantin Bauer, Alex Bilowi und Christoph Hacker in den Kader aufzunehmen. “Die Play-offs sind auch in diesem Jahr das Ziel”, sagt Toni Kohlmeyer, “ob es für mehr reicht, wird sich jedoch auch erst im Laufe der Saison zeigen, da in diesem Jahr eine große Leistungsdichte unter den Top vier zu verzeichnen sein wird.” Einfach mal ein Beispiel am Imbiss-Stand in der Halle der Freundschaft nehmen: Der thront seit Jahren einsam an der Spitze der Oberliga-Versorgungs-Rangliste.
VfL Kalbe/Milde
Vorjahr: 11-7, Play-offs
Immer noch ein verdammt weiter Weg in die Sporthalle der Feldstraße für alle Gegner. Dort erwartet die Konkurrenz ein kaum veränderter Kader. Bis auf Timo Feuersenger blieb das Team zusammen, neu in der Mannschaft sind René Marquardt (Stralsund/Greifswald) und Rückkehrer Lars Leonhardt. Offiziell wird wieder mit der Marschroute “Klassenerhalt” in die neue Spielzeit geblickt. “Und dann”, sagt Michael Berck, “mal schauen.”
Justabs Halle
Vorjahr: 10-8, Platz 5
Schon in der vergangenen Spielzeit bestimmten Kinderwagen und Kaffeekränzchen das Bild bei den Auftritten des Justabs-Teams. Dieser Trend hat sich über den Sommer noch fortgesetzt, so dass Training und Spiele in der Priorität weiter nach hinten gerutscht sind. Darüber hinaus haben Norman Hentschel und Marcus Eberhardt die Schuhe an den Nagel gehangen, Christopher Springsguth ist zürück nach Leipzig gegangen und Lutz Rütter steht nur vereinzelt zur Verfügung. Zwar wurde in Tobias Portius und Martin Kleinschmidt, die beide von RL-Absteiger USV Halle kamen, nachgerüstet, doch ob sie die Abgänge werden kompensieren können, bleibt abzuwarten. Ein besonderes Bonbon hat Justabs erneut für drei Gegner in der Tüte: Dessau, der HSC 96 und Kalbe dürfen Samstagfrüh um 10 Uhr zu Auswärtsspielen in Halle antreten. Hoffentlich läuft der Kaffee-Automat in der Halle.
BC Anhalt
Vorjahr: 9-9, Platz 6
Wie definiert sich Durchschnitt? Der BC Anhalt aus Dessau-Roßlau hat es in den vergangenen drei Oberliga-Spielzeiten vorgemacht: Dreimal lautete die Bilanz am Abschluss der Saison 9-9, was für die Ränge 5, 5 und 6 gut war. Zu den Play-offs fehlte dem BCA immer etwas die Konstanz, für den Abstiegskampf jedoch war die Substanz zu groß. Danach riecht es auch diesmal, denn das Team der beiden Spielertrainer Mario Friedrich und Arvid Verbraeken hat in Christoph Bösener, Martin Wiech, Thomas Weidig und Hendrik Seitz aus beruflichen Gründen gleich vier Spieler verloren. Dafür wurden mit Point Guard Normann Schmidt und Center Fabian Röske zwei Ex-Dessauer zurückgeholt und Small Forward Andi Reinsch rückte aus der zweiten Mannschaft auf. Auf dem Papier ist der BCA damit noch erfahrener und körperlich präsenter geworden. Die Realität aber verheißt erneut jedes Wochenende Daumendrücken für einen kompletten Kader. Tipp: Unbedingt die BCA-Heimspiel-Bowu probieren.
BBC Halle
Vorjahr: 5-13, Platz 7
Wer Thomas Mähne in den vergangenen Wochen zugehört hat, dem konnte um den Oberligastart seines BBC Halle schon etwas bange werden. “Wir suchen gerade noch einen fünften Spieler”, meint der BBC-Chef, der nach seinem Ausflug in die 2. Regionalliga zum USV Halle seinem Heimverein auch wieder als Spieler zur Verfügung steht. Aufgrund seiner Knieverletzubg muss Mähne jedoch noch einige Wochen, vielleicht sogar Monate auf sein Comeback warten. Keine guten Aussichten für eine Mannschaft, die 2010/11 mit Abstand die ungefährlichste von der Dreierlinie war und defensiv so viele Punkte zuließ, dass es fast schleierhaft war, wie trotzdem fünf Siege eingefahren wurden. Die Lösung: Kein Team bekam so viele Freiwürfe zugesprochen wie der BBC.
Hallescher SC 96 II
Vorjahr: 3-25, Platz 8
Die Konstellation ist ohne Parallele: Der HSC II kann in der Oberliga-Saison 2011/12 so viele Spiele gewinnen oder verlieren wie er will, die Spieler steigen weder auf noch ab. Wie das geht? Durch den Rückzug der ersten HSC-Mannschaft aus der 2. Regionalliga Ost am 14. September steht das Team dort als erster Absteiger der Saison 2011/12 fest. Damit ist auch klar, dass der HSC II am Ende der Oberliga-Spielzeit in die Landesliga muss. Die Akteure aber werden wohl die gleichen bleiben: Der HSC wird aus erster und zweiter Mannschaft ein Team bilden, dass in der Oberliga mehr als eine gute Rolle spielen dürfte. Es kann sogar Landesmeister werden, nur eben nicht aufsteigen, denn das “An-einander-vorbei-Aufsteigen” ist nicht erlaubt. Trotzdem, der HSC ist der Topfavorit auf den Titel.
TSV Niederndodeleben
Vorjahr: 12-4, Aufsteiger Landesliga Nordwest
Der Neuling aus der Nähe Magdeburgs ist zum ersten Mal in die Oberliga aufgestiegen. Und würde gern bleiben. “Ich denke, wir sind individuell gut besetzt und können mit den anderen Oberligisten mithalten”, sagt Daniel Lindner. Der dreimalige BVSA All Star weiß jedoch um die Schwere der Aufgabe. Mit Christopher Grabis (20.7 ppg) hat ausgerechnet der Topscorer den TSV verlassen, so wird noch mehr Verantwortung auf Lindner lasten. Für Hilfe sollen die beiden Neuzugänge Steffen Rothkrich (Stendal) und Tim Frontzeck (BG Magdeburg) sorgen. Hoffnung macht dem Aufsteiger die lange und erfolgreiche Vorbereitung, in der man unter anderem gegen Ligakonkurrent Kalbe nicht schlecht aussah.
SVV Einheit Weißenfels
Vorjahr: 16-0, Aufsteiger Landesliga Südost
Eine Weile lang schien es so, als würden sich mit dem erneuten Aufstieg der Weißenfelser auch neue Ambitionen verbinden. Doch alle Zeichen deuten nun eher auf das Gegenteil: Die Truppe geht nahezu unverändert das Abenteuer Aufstieg an. Der eine Neuzugang aber hat es in sich: Nach einigen Jahren kehrte Marius Neuschl aus Leipzig zurück und bringt Pro B Erfahrung in die Mannschaft ein. Die wird wieder von Sören Fauß gecoacht, der aber in der absehbaren Zukunft auf Topscorer Thomas Kudrisch verzichten muss. Der Scharfschütze hat sich in einem Vorbereitungsspiel eine schwere Verletzung zugezogen.
Saison Previews 2011/12
Bezirksliga Männer - 05.09.2011
Landesliga Männer - 21.09.2011
Oberliga Damen - 29.09.2011