Wie sieht ein ideales letztes Spiel einer Play-off-Serie aus? Welches Szenario wünscht man sich da als Basketball-Fan? Zwei Teams, die noch einmal alles in die Wagschale werfen. Die nicht unbedingt perfekt, aber inspiriert spielen. Die Intensität und Leidenschaft einbringen. Die spüren lassen, wie sehr sie diesen letzten alles entscheidenden Sieg wollen. Und das alles bitte in einer gut gefüllten Halle mit passender Stimmung, guten Schiedsrichtern, zahlreichen Wendungen und einer Entscheidung in allerletzter Sekunde. Oder einfach kurz gesagt: 28. März 2010, Weinbergarena Halle. USV 60, Wolmirstedt 57.
“
Hier hat heute eine Serie um die Landesmeisterschaft ihr Ende gefunden, die diesem Namen auch würdig war”, urteilte Landestrainer Christian Steinwerth, der genau wie der alte und neue Landesmeister USV Halle bei der Sieger- ehrung zunächst kräftig den unterlegenern Wolmirstedtern applaudierte. “Die Baskets haben viel Herz und Mut bewiesen”, so Steinwerth, “aber der USV war eben spielerisch diesen kleinen entscheidenden Tick besser.”
Schon am Samstagabend hatte es der Zweite der regulären Saison aus dem Norden Sachsen-Anhalts in der Hand gehabt, die Serie für sich zu entscheiden. Mit einer überraschenden 1:0-Führung aus Spiel eins an die Saale gereist, lag die Mannschaft von Spielertrainer Christian Arndt zur Pause noch mit drei Zählern in Front. Ein katastrophales drittes Viertel aber beendete alle leisen Hoffnungen, der USV sicherte sich mit 70:51 Spiel zwei und vertagte damit die Entscheidung auf den Sonntag.
“Wir haben die letzten Jahre immer drei Spiele gebraucht, um es zu entscheiden”, meinte Arndt, “warum sollte es diesmal anders sein.” Und so war seine Empfehlung an sein Team in Sachen Samstagabend-Gestaltung auch nur konsequent. “Ich habe ihnen geraten wegzugehen, um so weniger macht man sich dann einen Kopf über den nächsten Tag”, lachte Arndt. Kontiunierlich habe sich das Team seit Jahresbeginn gesteigert (”irgendwann kam Disziplin ins Training”) und immer dann am besten ausgesehen, wenn es mit Spaß an die Sache herangegangen war.
Topscorer zunächst nicht in der Partie
Der verging den Wolmirstedtern auch am Sonntag nicht. Der USV schien müder, traf schlecht und kam erst Mitte des zweiten Viertels in Schwung. Vor allem auch weil Play-off Topscorer Florian Heinrich kaum in die Partie fand. Eine Erkältung und gute Verteidigung engten seine Kreise ein. Zunächst. Zur Pause lag der USV 37:29 in Front.
Nach Wiederanpfiff fügte Wolmirstedt seiner Dritten-Viertel-Misere des Vorabends Kapitel zwei hinzu. Ganze drei Punkte in sieben Minuten versenkten die Gäste. Halle hätte den Sack jetzt zubinden können. Müssen. “Doch irgendwie waren wir auf einmal zu lethargisch”, befand Florian Heinrich, “und Wolmirstedt hat das ausgenutzt.”
Bis zur Viertelpause hatten sich die Gäste wieder herangearbeitet und dank René Schneiders zwei Dreiern beim 46:46 (31.) den Ausgleich erarbeitet. Das Spiel war wieder offen - und blieb es bis zum Abpfiff. Denn nun rückte sich Hitchcock seinen Besuchersessel courtside zurecht und schickte die Fans von einem Schocker zum nächsten. Das Spiel der beiden besten Defenseteams der Oberliga nahm noch mehr an Intensität zu. Und besaß zwei Schiedsrichter, die dies geschickt managten.
Die Entscheidung brachte dann der jetzt besser ins Spiel findende Florian Heinrich (am Ende noch mit 12 pts USV-Topscorer) mit seinem Dreier 1,4 sec vor Schluss. Zuvor hatte Michael Heuer spektakulär ebenfalls aus der Distanz ausgeglichen. Wolmirstedt erarbeitete sich nach Heinrichs Treffer sogar noch einmal eine allerletzte Chance - doch der Ball prallte vom Ring und der USV konnte seinen Titel-Repeat feiern. Zurecht.
“Sie haben eine souveräne Saison gespielt und waren von Anfang an stark”, schätzte Christian Arndt ein. Gegenüber Hans-Jürgen Pertus gab das Lob zurück. “Man hat gesehen, warum beide Teams so wenig Punkte zulassen.” Ganze 63,2 ppg produzierte die Finalserie. Doch das störte die Feierlichkeiten beim USV nicht im geringsten. Der Blick ging bereits voraus in die 2. Regionalliga.
Aufstieg diesmal geplant
Denn dort plant der Club im nächsten Jahr zu spielen. Anders als noch im Vorjahr möchten die Studenten diesmal den Sprung wagen. “Die Spieler wollen es, man will uns finanziell unterstützen und ich bin auch dabei”, so Pertus, der schon in einer Woche wieder zum Training bitten will.
Dann ganz sicher noch ohne Neuzugänge, die aber für das Abenteuer 2. Regionalliga unabdingbar sind. “Mal sehen, wer sich traut zu uns zu kommen”, lachte Pertus, der genau wie die anderen Anhänger im halleschen Lager um die Schwere der Aufgabe eine Liga höher weiß.
Doch das ist ein Thema von morgen. Denn egal was kommt: Der 28. März 2010 bleibt.
Wer das ganze noch einmal in bewegten Bildern sehen möchte, hat am Montag um 18.30Uhr auf TV Halle die Möglichkeit dazu. Entweder über Kabel oder via Livestream auf TV Halle.de .
Thomas Schaarschmidt ist stellvertretender BVSA-Vorsitzender und Pressewart und lebt in Dessau. Er kann per Mail erreicht werden.