
Am heutigen Samstagabend empfängt der Mitteldeutsche Basketball Club in der Weißenfelser Stadthalle ab 19.30 Uhr den deutschen Vizemeister und aktuellen Tabellenzweiten der Beko Basketball Bundesliga, die Telekom Baskets aus Bonn. Doch das Duell des Aufsteigers gegen das Liga-Schwergewicht ist keines, was schon im Vorhinein entschieden zu sein scheint - das sagt viel über den bisherigen Saisonverlauf des MBC aus. Darüber und die allgmeine Gefühlslage im MBC-Lager erzählt der Geschäftsführer des Clubs, Martin Geissler, im Interview mit bvsa.de
Bereits 18 Spiele sind in der Beko BBL absolviert. Ist der MBC in der höchsten deutschen Spielklasse endgültig angekommen?
Geissler: Ich würde sagen, der MBC ist sportlich sehr gut angekommen und hat alle mit einer starken Hinrunde überrascht - uns in dieser Stärke auch. Vor der Saison galten wir als einer der Hauptkandidaten für den Abstieg, inzwischen kämpfen wir um die Qualifikation für den BBL Pokal. Die Experten, die uns vor der Saison nichts zugetraut haben, rechnen uns heute sogar zu den Konkurrenten im Kampf um die Play-offs. Ich denke wir brauchen uns nicht zu verstecken, wir spielen sehr attraktiven Basketball, haben eine sympathische und hungrige Mannschaft und sind auch im Umfeld sehr gut und professionell aufgestellt.
Spürt man mittlerweile den Respekt der Gegner? In welcher Form äußert der sich?
Geissler: Wir spüren den Respekt in der Form, dass wir im Gegensatz zum Saisonanfang sicherlich nicht mehr unterschätzt werden. Wir konnten in der Hinrunde immerhin den deutschen Meister Oldenburg, den Vizemeister Bonn und den früheren Meister Bamberg schlagen. Da hatten wir nicht einfach nur immer gute Tage, sondern wir haben eine konkurrenzfähige Mannschaft, die von unserem Trainerteam um Björn Harmsen hervorragend auf die jeweiligen Gegner vorbereitet wird. Allein die Tatsache, dass wir drei der ganz großen Teams schon in unserem ersten Jahr wieder schlagen konnten, ist großartig, das ist dem MBC in seiner BBL-Geschichte noch nie gelungen. Wir haben auch noch nie mehr als fünf Auswärtssiege in einer Saison geschafft, jetzt haben wir diese Anzahl schon zum Ende der Hinrunde erreicht. Anhand der Statements der Teams und gegnerischen Coaches kann man erkennen, dass man den MBC und unsere Arbeit schätzt. Darauf können wir stolz sein, aber wir dürfen uns nicht darauf ausruhen. Schließlich haben wir einen der drei kleinsten Etats in der Beko Basketball Bundesliga und man kann nicht in jedem Jahr davon ausgehen, mit diesen Möglichkeiten so erfolgreich zu spielen.
Als Aufsteiger gehört man naturgemäß zu den Abstiegskandidaten. Zehn Siege sprechen indes eine andere Sprache. Wohin richtet sich der Blick mittlerweile?

MBC-Trainer Björn Harmsen
Geissler: Sportlich sind wir in ruhigem Fahrwasser, wir haben die nötige Anzahl an Siegen für den Klassenerhalt fast geschafft. Ich denke mit zwölf Siegen wären wir auf der sicheren Seite, doch bis wir das geschafft haben, müssen wir uns voll und ganz auf dieses primäre Ziel konzentrieren. Wir sind Aufsteiger und da kann unser Ziel nur sein, dass wir in der Liga bleiben, alles andere wäre vermessen. Wir wollen uns langfristig wieder in der BBL etablieren und nicht nur ein kurzzeitiges Erfolgsjahr haben. Dennoch haben wir nachwievor das Zwischenziel in den BBL-Pokal einzuziehen, dafür müssen wir entweder unser Auswärtsspiel bei ALBA Berlin gewinnen oder auf die Mithilfe anderer Konkurrenten hoffen, damit wir zum Abschluss der Hinrunde auf dem sechsten Tabellenplatz stehen. Wir müssen jetzt schon intensiv daran arbeiten, auch für die kommenden Jahre Erstligabasketball in unserer Region zu sichern. Dafür müssen wir uns finanziell noch stabiler aufstellen und unser Programm weiterentwickeln.
Was überwiegt mehr: Der Stolz über die eigenen Leistungen oder die Tatsache manche Experten eines besseren belehrt zu haben?
Geissler: Uns war vor der Saison klar, dass wir ausreichend Talent und Qualität im Team haben, um ordentlich in der Beko BBL mitspielen zu können. Natürlich haben wir überwiegend Spieler, die neu in der Liga sind und unbekannt für die Experten waren. Außerdem haben wir einen der kleinsten Etats und sind Aufsteiger, da würde ich bei jedem anderen Team mit ähnlicher Aufstellung auch nichts Anderes tippen. Wir sind natürlich sehr glücklich, dass unser Plan aufgegangen ist und wir so erfolgreich spielen, denn am Ende zählen nur die Punkte und der Tabellenplatz und nicht Expertenmeinungen vor der Saison.
Gehört ein Spiel in der Beko BBL mittlerweile schon zur Routine oder ist jedes Spiel immer noch etwas Besonderes? Auch für dich?
Geissler: Inzwischen sind Beko BBL-Spiele Routine für uns, natürlich müssen wir in der 1. Liga deutlich mehr Regeln und Standards einhalten, aber wir haben das ohne große Probleme - auch durch die große Unterstützung der Stadt Weißenfels - hinbekommen. Es ist für uns schön, wieder in der BBL zu spielen, dafür haben wir fünf Jahre hart gearbeitet. Es ist auch für mich persönlich die Erfüllung eines großen Ziels und das macht mich sicher auch etwas stolz. Es macht auch viel mehr Spaß zu den Auswärtsspielen zu fahren und vor 5.000 Leuten in Bonn oder sogar vor über 10.000 Zuschauern in Berlin zu spielen, als vor 150 Zuschauern beim TV Langen.
Wie geht man die Partie heute an, nachdem man im Hinspiel Bonn mit 20 Punkten Unterschied geschlagen hat?
Geissler: Mit der gleichen Ausgangslage wie vor dem Hinspiel. Wir sind absoluter Außenseiter, spielen um den frühzeitigen Klassenerhalt und Bonn spielt um den ersten Tabellenplatz. Finanziell trennen uns Welten vom Vizemeister, wir haben maximal nur ein Viertel vom Bonner Budget zur Verfügung und stehen dennoch nur zwei Siege dahinter. Ich denke, wenn wir ohne Angst in das Spiel gehen und unsere Stärken nutzen, dann können unsere Fans in der Stadthalle wieder ein spannendes Spiel erwarten.
Was war für dich das bisherige Highlight der Saison?
Geissler: Da gab es mehrere. Zum einen haben wir uns riesig über die Wahl zur „Mannschaft des Jahres” in Sachsen-Anhalt gefreut, wo wir etablierte Teams aus dem Handball und Fußball weit hinter uns lassen konnten und jetzt zurecht sagen können, dass wir das sportliche Aushängeschild unserer Region sind. Sportliches Highlight war sicherlich der ungefährdete Sieg über den deutschen Meister Oldenburg kurz vor Weihnachten. Und das dritte Highlight war die ausverkaufte Stadthalle zum Spiel gegen Trier. Ich hoffe es werden noch einige Höhepunkte folgen.
Im Winter bessern viele Teams in der Regel in ihrem Kader noch einmal kräftig nach. Gab es solche Gedankenspiele auch beim MBC?
Geissler: Wir haben einen sehr ausgeglichenen und vor allem tiefen Kader. Björn Harmsen kann elf Spieler rotieren, in keiner anderen BBL-Mannschaft sind die Spielanteile so breit verteilt. Wir haben kurz vor Saisonbeginn mit der Verpflichtung der beiden Center Johnnie Gilbert und Anatoly Kashirov die richtigen Änderungen vorgenommen um erfolgreich zu spielen. Außerdem konnten wir vor wenigen Wochen auch den Nationalspieler Guido Grünheid endgültig bis zum Ende der Saison an uns binden, so dass wir aktuell keinen Handlungsbedarf sehen, im Team Änderungen vorzunehmen. Ich hoffe wir bleiben auch weiterhin vom Verletzungspech verschont.
Das Gespräch führten Christian Kattner und Thomas Schaarschmidt.