
Unaufgeräumt sieht sie aus, die Hinrunden-Tabelle der Landesliga Südost der Herren. Da tummelt sich derzeit ein Aufsteiger trotz zweier Niederlagen auf dem ersten Platz. Ein ungeschlagener Absteiger steht auf Rang vier und mittendrin versammeln sich sieben Mannschaften, die nur zwei Punkte trennen. Zu verdanken hat man das dem neuen (zweifelhaften) Punktsystem, bei dem die Teams schon für ihr Erscheinen mit einem Zähler belohnt werden. Lediglich bei einer Disqualifikation geht ein Team leer aus. Ein Detail, das bei genauem Blick auf die Tabelle für die beiden Letztplatzierten zum Verhängnis werden könnte. Denn sowohl der HTB Halle als auch die Zweite von Einheit Weißenfels wurden bereits einmal mit null Punkten bestraft.
Dies wirkt sich deshalb gravierend aus, da sie aufgrund des neuen Punktsystems einmal mehr gewinnen müssen als mindestens zwei Mannschaften, um den Abstieg zu vermeiden. Der direkte Vergleich fällt also in diesen Fällen nicht ins Gewicht. Doch was ist von dieser Saison für jedes Team noch zu erwarten und was bisher aufgefallen?
Lediglich zweimal war der HTB Halle (Bilanz 0-9) bisher einem Sieg nahe. Gegen Weißenfels verlor das Team nach Verlängerung und gegen den SV Zörbig reichte die Luft nur für dreieinhalb Viertel. Die restlichen Partien gingen häufig mit mehr als 30 Punkten verloren. Ein Umstand, der nur wenig Hoffnung lässt. Der HTB müsste schon sehr über sich hinauswachsen, um eine fulminante Aufholjagd zu starten. Mindestens fünf Siege in den verbleibenden neun Partien sollten es schon sein, um den Abstieg in die Bezirks-Klassigkeit zu verhindern.
Etwas besser stehen die Chancen bei Einheit Weißenfels II (2-8). Zu Beginn der Runde noch mit allerlei Jugendspielern auf dem Parkett, mischen seit einigen Partien wieder zwei alte Bekannte mit: das gefürchtete Brüderpaar Siegfried und Roland Scherpiet. Galt die Mannschaft ohne die beiden Haudegen als klarer Abstiegskanditat, wuchs nach zwei Siegen wieder vermehrt die Hoffnung auf den Klassenerhalt. Roland Scherpiet blickt voraus: „Es wird schwer mit dem Klassenerhalt. Nur mit jungen Spielern reicht es wohl nicht. Aber wir hoffen mit einigen erfahrenen Spielern die Rückrunde erfolgreicher abzuschließen.”
Auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz findet sich der VfB IMO Merseburg (3-6)wieder. Nur selten konnte der VfB mit vollem Spielerpersonal antreten. So prägten schwankende Leistungen das Bild der Hinrunde. „Eigentlich haben wir da unten nichts verloren”, meint Spieler Marcel Löffler und fügt an: „Wir haben nur selten richtig schlecht ausgesehen. Aber wir verlieren zu häufig die engen Spiele.” Für die Rückrunde hoffen die Merseburger öfter mit dem ersten Anzug antreten zu können. Sollte dies nicht gelingen, steht dem VfB Abstiegskampf pur bevor.
Die Bastard´s Halle (4-6), das Team mit dem zweifelhaften Apostroph im Namen, startete sensationell in die Runde. Mit den Auftaktsiegen gegen Zörbig und Justabs Halle ließen die als Abstiegskandidat gehandelten Hallenser aufhorchen. Doch die Tendenz zeigt nach unten. Nur zwei Siege in den letzten acht Spielen führten zum Abrutschen in der Tabelle. Spieler-Trainer Michael Maiberg: „In den letzten Wochen haben wir uns in ein Tief gespielt. Aber da kommen wir raus. Das erste Ziel bleibt der Klassenerhalt.” Insgeheim erhofft sich Maiberg etwas mehr. „Ein Platz im
Mittelfeld wäre super und ist möglich.”

Rainer Liedtke
Um den zu erreichen müssten sie am SV Zörbig (5-4)vorbei. Alle Jahre wieder findet sich die „Marmeladen-Combo” im Niemandsland der Tabelle wieder. In dieser Saison war der Start jedoch verkorkst. Nur einen Sieg wurde in fünf Spielen für sich verbucht. Doch mit zuletzt vier Siegen in Folge ist der SV in der Liga angekommen. Und Trainer Rainer Liedtke sieht noch viel Potential in seiner Mannschaft. „Der Tabellenplatz sagt nichts über unsere Leistungsfähigkeit aus. Die Mannschaft hat das Zeug für den dritten Tabellenplatz.” Sollte Zörbig den Rückrundenstart nicht verschlafen, könnte sich die mutige Aussage Liedtkes bewahrheiten.
Der BSV Ammendorf (5-4) ist wohl die unberechenbarste Mannschaft der Liga. Mit zwei Niederlagen gestartet, legten das Team danach einen 5:0-Lauf hin. Vor allem die engen Spiele konnte der BSV für sich entscheiden. Doch zuletzt stockte der Aufwärtstrend. Die beiden Niederlagen gegen Justabs und USV II bremsten die Euphorie. „Wir funktionieren als Team sehr gut. Aber wenn mehrere tragende Spieler fehlen, wird es schwierig”, sagt Spieler Klaus Kretzschmar. Und so hat auch der Klassenerhalt weiterhin oberste Priorität, wie Kretzschmar bestätigt: „Die Liga ist dieses Jahr so ausgeglichen wie lange nicht. Wir müssen erstmal die nötigen Punkte holen, um sicher drin zu bleiben. Nach oben schielen können wir nur, wenn wir topbesetzt sind.”
Der Absteiger aus der Oberliga, die BSW Sixers II (7-0), hält sich bislang schadlos. Das war auch zu erwarten, wurde doch vor der Saison der direkte Wiederaufstieg als Ziel ausgegeben. In sieben Spielen dominierte die BG die Bretter und meist die Gegner. Trotzdem verbringen die Reserve-Sixers die spielfreien Wochen aufgrund des Punktsytems nur auf dem vierten Tabellenplatz. Doch für Mannschaftsbetreuerin Anja Petermann ist das nicht wichtig. „Wir wissen, wie wir uns einzuschätzen haben”, sagt sie und fügt an: „Die Rückrunde ist natürlich vollgepackt mit Spielen. Aber unser junges Team wird sich weiter stabilisieren und die nötigen Punkte für den Aufstieg sammeln.”
Trotz einer „nur” ausgeglichenen Bilanz findet sich die Zweite des USV Halle (5-5) auf dem Podium wieder. Ein Umstand der dadurch zu begründen ist, dass sie eines von drei Teams sind, das bisher regulär seine Spiele absolvieren konnte. Doch wer den USV unterschätzt, zeigt wenig Basketballverstand.
Trotz des jüngsten Kaders der Liga hat das Team von Trainer Michael Schaks (Foto) wohl nichts mit dem Abstieg zu tun. Zwei Siege zuletzt in Merseburg und Ammendorf ließen aufhorchen. „Wir sind im Soll. Es hätte aber auch der ein oder andere Sieg mehr sein können”, resümiert Schaks die Hinrunde. „Platz vier bis sechs scheint realistisch. Wenn es optimal läuft, ist auch der dritte Platz drin.”
Der MTV Zeitz (7-1) steht dort, wo er auch nach alter Tabellenberechnung hingehört: auf dem zweiten Platz. Nur eine Niederlage steht sieben Siegen gegenüber. Obwohl der Punktverlust eingeplant war, schmerzte er doch ein wenig. „Wir haben den Sixers richtig die Stirn geboten. Aber wenn man sich die Qualität und Ausgeglichenheit in deren Kader ansieht, muss man klar sagen, dass sie die stärkste Mannschaft sind”, sagt MTV-Trainer Matthias Burkhardt. Generell geht es Zeitz um mehr als den bloßen Sieg. „Wir sind seit Jahren schon als Team zusammen. Bei uns geht es auch um Kameradschaft”, stellt Burkhardt klar um dann doch anzufügen: „Aber natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen.” Das Ziel der Zeitzer bleibt ein Platz auf dem Podium.
Der Aufsteiger Justabs Halle (7-2) ist ohne Zweifel die Überraschungsmannschaft der Saison. Justabs präsentierte sich in der Hinrunde unerwartet stark. Dabei war die Niederlage am zweiten Spieltag gegen Bastard´s Halle ein Wachrüttler. „Nach unserem Pokalsieg gegen den BC Anhalt Dessau und dem deutlichen Sieg am ersten Spieltag, haben wir die Bastard´s unterschätzt und sind prompt bestraft worden”, resümiert Trainer Christian Damm. Danach ging man konzentrierter zu Werke und fand den Weg in die Erfolgsspur zurück. Für die Rückrunde sind die Ansprüche gestiegen. „Wir haben noch beide Spiele gegen Zeitz. Die geben wir nicht kampflos her. Der zweite Platz ist das Ziel”, sagt Damm selbstbewusst. Wobei er auch zugibt: „Natürlich wäre auch der dritte Platz ein Mega-Erfolg. Das haben wir vor der Saison nicht erwartet.”
Die Rückrunde verspricht also einiges an Spannung. BG BSW II wird wohl den direkten Wiederaufstieg schaffen, der HTB Halle wird aller Voraussicht nach den Gang in die Bezirksliga antreten müssen. Doch dazwischen wird hart um die Platzierungen gekämpft. Um die Plätze zwei bis fünf scheinen sich Zeitz, Justabs, Zörbig und Ammendorf zu streiten.
Eng wird es im Abstiegskampf. Weißenfels ist zwar zwei Siege zurück, aber IMO Merseburg, Bastard´s Halle und die Zweite des USV täten gut daran, sich nicht zu sicher zu sein. Und nach einer ereignisreichen Hinrunde wird wohl auch die Rückrunde mit einigen Überraschungen aufwarten.
Was gibt es schöneres als eine ausgeglichene Liga, die viel Potential für Spannung und Dramatik bietet?! Alles Gute für das Neue Jahr 2010. Bleibt gesund und fröhlich.
Marcus Bräuer ist Spieler beim VfB Imo Merseburg und freier Sportjournalist. Er kann per Mail erreicht werden.