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Oberliga Herren - Das Halbzeitfazit

Mittwoch, 23. Dezember 2009

2009-12-23-olh-halbzeit-fazit

Elf Spieltage, und damit bereits zwei Partien der Rückrunde, sind in der Oberliga der Herren absolviert. Zeit für ein Sechzig-Prozent-Halbzeitfazit zum Jahresende. Kennzeichnend für den bisherigen Saisonverlauf ist die prophetische Kraft der Teams: Fast alle hatten vor dem Beginn der Spielzeit eine enge und spannende Liga vorausgesagt - und sollten bisher Recht behalten. Bis auf die momentan auf den Abstiegsplätzen liegenden Mannschaften aus Weißenfels und Börde Magdeburg besitzen noch acht Teams Play-off  Chancen.



2009-schaarschmidt-autorUSV Halle

Bilanz:
9-2, Heim: 6-0 , Auswärts: 3-2
PPG: 88.7, OPP PPG: 66.2
Topscorer: Florian Heinrich (22.0), Lutz Rütter (17.8)

Nicht ablenken lassen von zwei Auswärtsniederlagen in Kalbe und Magdeburg: Der USV ist die Nummer eins der Liga. Durchschnittlich 22 Punkte Abstand bringen die Studenten zwischen sich und ihre Gegner und besitzen offensiv zu viele Waffen, um diese allesamt zur gleichen Zeit auszuschalten. Doch beim Landesmeister trifft sich nicht nur Talent. “Die Chemie im Team stimmt”, hat Kapitän Erik Zeller erkannt, “die Mischung passt, es greift einfach ein Rädchen ins andere.” Die Neuzugänge Stefan Mähne, Marcus Zawatzki und Thomas Gronwald haben sich prima eingefügt (kombiniert 32.4 ppg) und in Lutz Rütter besitzt der USV einen unberechenbaren Universal-Flügel, den niemand gern verteidigt. Dazu noch die Tatsache in den Topf geworfen, dass die Mannschaft selten komplett war und daher im Zusammenspiel eher noch besser wird, ergibt sich kräftig umgerührt der klare Meisterfavorit.


BC Anhalt
Bilanz:
8-3, Heim: 4-2, Auswärts: 4-1
PPG: 77.7, OPP PPG: 73.6
Topscorer: Matthias Brucksch (20.1), Mario Friedrich (17.2)

Manches Team sucht das fehlende Puzzleteil zum Erfolg eine gesamte Saison lang - ohne es jemals zu finden. In Dessau aber kam es Anfang Oktober einfach ohne Vorwarnung durch die Sporthallentür marschiert, stellte sich als Arvid Verbraeken vor und revitalisierte den gesamten Verein. Seit der Belgier, Arzt am Städtischen Dessauer Klinikum, als zweiter Spielertrainer neben Mario Friedrich fungiert, legte der BCA fünf Siege in Serie hin, die einen dezenten 3-3 Saisonstart in Platz zwei verwandelten. Wären die zwei unnötige Heimniederlagen (Wolmirstedt, Aschersleben II) vermieden worden, stünde gar der Spitzenplatz zur Debatte. Doch der wäre ob der einzigen Auswärtsniederlage der Saison, dem bitteren 48:99-Trashing beim USV, völlig unverdient. Der BCA scheint klar auf Play-off Kurs, auch weil hinter den Routiniers Matthias Brucksch und Mario Friedrich mit NBBL-Akteur Martin Wiech (12.5 ppg) und All Star Eric Kasper (12.2 ppg) zwei Talente den nächsten Schritt zu machen scheinen.


Hallescher SC 96 II
Bilanz:
7-4, Heim: 3-2, Auswärts: 4-2
PPG: 77.4, OPP PPG: 75.8
Topscorer: Jörg Soyk (21.0), Tim Vogt (14.5)

2009-11-18-bb-szene-weidig

M. Weidig

Was wäre, wenn der die Reserve des HSC regelmäßig auf den best- möglichen Kader zurückgreifen könnte? Welchen Platz würde das Team wirklich einnehmen? Wäre die Mannschaft sogar ein Herausforderer für den Stadtrivalen USV? Fragen, die wohl bis zum Saisonende keine Antwort finden werden. “Wir mussten zu oft improvisieren”, weiß auch Teilzeitcoach Martin Weidig , “sonst hätten wir mit Sicherheit weniger Niederlagen.” Sicher, gegen den USV und den BC Anhalt kann man in dieser Saison verlieren, die Heimpleite gegen Wolmirstedt und der Auwärtsausrutscher bei Einheit Weißenfels waren jedoch unnötig - und wäre nwohl unter normalen Umständen nicht eingetreten. Doch so ganz normal scheint es in dieser Spielzeit beim HSC II nicht immer zu laufen. Lag man bei den Auswärtsniederlagen mit 77 ppg zumindest offensiv im Saisonschnitt, so gelangen bei den beiden Heimpleiten gerade einmal mickrige 60 Zähler. Mit insgesamt 17 eingesetzten Spielern kann der HSC II fast zwei Mannschaften stellen. Doch genau darin liegt das Grundproblem. Leistungsträger müssen im Regionalligateam ran, selbst HSC-Guru Martin Pelzl musste kurzfristig aus seinem Vorruhestand reaktiviert werden. “Wir werden zwar mit Sicherheit nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen”, ist sich Weidig sicher, “aber nach weiter oben dürfte es auch nicht gehen.”


BG Magdeburg II
Bilanz:
7-4, Heim: 6-0, Auswärts: 1-4
PPG: 75.9, OPP PPG: 71.1
Topscorer: Felix Neumann (25.5), Tim Lücke (13.7)

Als einzige Mannschaft neben dem Spitzenreiter ist die Reserve der BG Magdeburg daheim noch ungeschlagen - auswärts aber musste sich das Team von Coach Stefan Richter in vier von fünf Spielen geschlagen geben. Dem Spiel der jungen Mannschaft fehlt naturgemäß bisher vor allem die Konstanz, was zwei Niederlagen nach deutlichen Halbzeitführungen belegen. Auch der Abgang von Topscorer Felix Neumann wiegt schwer, der sich gleich im ersten Duell gegen seine alten Kollegen zu 18 Punkten für die BG Aschersleben II aufraffte. Auch die Verletzung von Stefan Ahrens im letzten Spiel der Hinrunde kommt für den Rückrundenstart sehr ungelegen. Doch trotz dieser Umstände und nur noch drei Heimspielen in den letzten sieben Partien glaubt Coach Richter an die Play-offs: “Eine Reihe knapper Siege hat uns viel Erfahrung gebracht, auch wenn in der Intensität immer noch Reserven liegen. Gleichzeitig wollen wir versuchen, die Spielzeit der jungen Akteure weiter auszubauen.”


BG Aschersleben Tigers II
Bilanz:
6-5, Heim: 5-1, Auswärts: 1-4
PPG: 72.0, OPP PPG: 79.5
Topscorer: Tobias Münch (19.6), Norman Hallermann (19.5.)

Nach dem Zusammenschluss der Quedlinburger und Ascherslebener Basketballer hatte man vor allem erwartet, dass die Oberligatruppe davon am meisten profitieren würde. Es dauerte jedoch eine Weile. Nach drei Niederlagen in den ersten vier Spielen legte das Team von Florian Zilllibiller vier Siege in Folge hin und konnte zum Jahresende auch an der Personalfront punkten: Mit den Nachverpflichtungen Felix Neumann (BG Magdeburg) und Sebastian Brune (Baskets Wolmirstedt) ist die Mannschaft deutlich tiefer besetzt. Auch wenn Brune nach einem Nasenbeinbruch voerst außer Gefecht gesetzt ist, könnte die Tigers-Reserve durchaus ein Play-off Wörtchen mitreden. Immerhin empfängt die Mannschaft sowohl den USV als auch den BCA noch daheim. Für den Sprung unter die besten vier Teams ist jedoch eine bessere Defense notwendig: Rund 80 ppg sind für ein Spitzenteam einfach zu viel.


VfL Kalbe/Milde
Bilanz:
5-6, Heim: 3-2, Auswärts: 2-4
PPG: 73.0, OPP PPG: 74.4
Topscorer: Harald Lotsch (20.2), Michael Berck (18.4)

Spielertrainer Nils Mühlisch hat von der ersten Halbserie seiner Mannschaft eine klare Meinung: “Wir sind die Diva einer sehr spannenden und ausgeglichenen Oberliga-Saison.” Die einzige Konstanz in Kalbe sei die Inkonstanz. “Begeisternden Spielen mit hervorragendem Basketball wie gegen Wolmirstedt und den USV folgen unterirdische Leistungen mit unnötigen Niederlagen wie gegen den HSC oder das Pokal-Aus gegen Ammendorf.” Mühlisch führt das vor allem auf die angespannte Personal-Situation des Klubs zurück. “Dafür haben wir uns ganz gut geschlagen.” Und so ist der größte Wunsch beim VfL der nach einer komplett besetzten Mannschaft. “Vielleicht können wir damit diese Berg- und Talfahrt beenden und unser Ziel Klassenerhalt klarmachen”, hofft Mühlisch. Für weiter oben dürfte es eng werden, aber ausgeschlossen scheint ja in dieser Spielzeit irgendwie gar nichts.


Baskets Wolmirstedt
Bilanz:
5-6, Heim: 1-4, Auswärts: 4-2
PPG: 63.9, OPP PPG: 64.5
Topscorer: René Schneider (17.8), Matthias Hennig (12.7)

Willkommen bei der offiziellen Wundertüte der Liga. Nicht, weil man nicht weiß, was drin steckt, sondern weil man sich über dieses Team eigentlich durchgängig wundert: Niemand lässt weniger Punkte zu, kein Team aber erzielt auch weniger. Kein Team hat eine schlechtere Heimbilanz, doch niemand ist auswärts erfolgreicher. Bei ihren fünf Siegen konnten die Baskets nur einmal mehr als 80 Punkte erzielen, bei den sechs Niederlagen reichte es gerade zu 59 ppg. “Das Problem ist nicht einmal, dass wir zu wenige Würfe nehmen, sondern vielmehr die schlechte Schussauswahl”, meint Spielertrainer Stefan Stagge. “Wir verrennen uns zu oft in Einzelaktionen.” Stagge muss zudem im neuen Jahr die Abgänge von Sebastian Brune (ASL II) und Stefan Arndt (beruflich) kompensieren. Die Play-offs aber behält man in Wolmirstedt weiter im Blick. “Auch wenn es schwer wird, wir versuchen es.” Helfen könnte der Spielplan: Drei der letzten vier Partien können die Baskets daheim absolvieren. Mit weiterhin geöffneter Wundertüte aber dürfte auch dieser Vorteil nichts nützen.


BBC Halle
Bilanz: 4-7
, Heim: 2-4, Auswärts: 2-3
PPG: 77.7, OPP PPG: 84.3
Topscorer: Thomas Mähne (23.9), Daniel Daehn (17.0)

Bisher die Enttäuschung der Saison. Eigentlich als sicherer Play-off Kandidat gehandelt, liegt die Mannschaft um Spieler-Präsident Thomas Mähne nur noch einen Sieg vor dem ersten Abstiegsplatz. “Der BBC ist ein gutes Beispiel, dass Basketball ein Teamsport ist und nicht einzelne Spieler den Erfolg ausmachen”, gibt Mähne zu. Die Mannschaft sei nicht so zusammengewachsen wie erhofft. Vor allem in der Verteidigung und bei erfolgreichen Dreierwürfen (jeweils Liga-Schlusslicht) liegen die Probleme beim BBC, der von den sechs Spielen gegen die Top vier der Liga nur ein einziges für sich entscheiden konnte. Negativer Höhepunkt: Die Niederlage bei Schlusslicht Börde Magdeburg, der bisher einzige Saisonsieg der Magdeburger. “In der Rückrunde wollen wir versuchen, spielerisch zusammenzufinden und jeden Gegner sportlich zu ärgern.” Schon das Startprogramm mit den beiden Auswärtspartien in Dessau und beim HSC II, unterbrochen vom wichtigen Heimspiel gegen Weißenfels, sollte zeigen, wohin der Weg des BBC 2009/10 am Ende gehen wird.


SSV Einheit Weißenfels
Bilanz:
3-8, Heim: 2-3, Auswärts: 1-5
PPG: 74.1, OPP PPG: 83.8
Topscorer: Tobias Maudrich (20.8), Thomas Kudrisch (18.7)

Zwei, vielleicht drei Siege mehr wären für die Weißenfelser bestimmt möglich gewesen. Wenn sie nicht das Verletzungspech mit voller Breitseite erwischt hätte. “In dieser Anzahl haben wir das noch nicht erlebt”, meint Einheit-Legende Rolf Melzer, “deshalb ist das Ziel jetzt um so mehr der Klassenerhalt.” Den ersten wichtigen Big Point konnten die Weißenfelser bereits mit den zwei Siegen über Börde Magdeburg sammeln, nun müssen aus den verbleibenden sieben Partien jedoch wohl  mindestens vier “W” eingesammelt werden, um nicht den Weg in die Landesliga antreten zu müssen. Viermal kann Einheit noch daheim antreten, auch für den besten Dreierschützen der Liga (Thomas Kudrisch / 3.5 3pt pg) eine gute Ausgangsposition.


MSV Börde Magdeburg
Bilanz:
1-10, Heim: 1-4, Auswärts: 0-6
PPG: 69.2, OPP PPG: 78.5
Topscorer: Marcus Reimann (19.3), Daniel Schick (12.1)

Vor der Saison konnte man glauben, der Aufsteiger würde den Ligafahrstuhl verlassen und sich in der obersten Spielklasse Sachsen-Anhalts etbalieren. Nach mittlerweile elf absolvierten Partien scheinen die Magdeburger aber scheinbar gar nicht ausgestiegen zu sein. Gerade einmal ein Sieg sprang für den Liganeuling heraus. Niederlagen gegen die direkte Konkurrenz  - zwei Pleiten gegen Weißenfels - waren wenig förderlich für den Verbleib in der Liga. So deutlich wie die Tabelle die derzeitige Situation für den MSV Börde wiederspiegelt, ist sie indes nicht. Mit ein wenig mehr Gück und Erfahrung könnte die Bilanz durchaus positiver aussehen. Gegen den BC Anhalt zum Saisonstart bereits in Richtung Siegerstraße unterwegs, nahm das Team gegen Ende der Partie doch noch eine andere Abfahrt. Gegen den HSC II, Aschersleben II und Kalbe/Milde waren bei einer Punktedifferenz von maximal vier Zählern ebenfalls Siege möglich. “Das war sehr enttäuschend”, schaut Guard Falko Müller zurück, “wir waren mit den meisten Mannschaften auf Augenhöhe, um am Ende dennoch knapp zu verlieren.” Doch Aufgeben kennt man beim viertbesten Dreierteam der Liga nicht: “Die Saison hat gezeigt, dass jeder jeden schlagen kann. Aufgeben werden wir uns jedenfalls nicht.” Der Knopf für die Landesliga ist im Fahrstuhl zwar schon gedrückt, die Tür steht allerdings noch offen.


Thomas Schaarschmidt ist stellvertretender BVSA-Vorsitzender und Pressewart und lebt in Dessau. Er kann per Mail erreicht werden.