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Neuer Landestrainer Christian Steinwerth im Gespräch

Sonntag, November 1st, 2009

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Seit vergangenem Wochenende steht fest: Der 32-jährige Magdeburger Christian Steinwerth wird ab dem 1.1.2010 neuer Basketball-Landestrainer Sachsen-Anhalts und tritt damit die Nachfolge von Dr. Martin Dornhoff an. Steinwerth war seit dem 1.1.2007 bereits als Landes-Pooltrainer für den BVSA tätig, nun rückt der gebürtige Rogätzer eine Etage höher. Für bvsa.de hat Thomas Schaarschmidt mit dem neuen Landestrainer, den alle eigentlich nur “Dutch” rufen, gesprochen.


Mit 32 Jahren Basketball-Landestrainer Sachsen-Anhalts zu werden passiert nicht jeden Tag. Was hast du als erstes gedacht, als du von der Entscheidung erfahren hast?

Steinwerth: Ich war positiv überrascht und bin natürlich sehr froh. Ich glaube aber nicht, dass ich zu diesem Job wie die Jungfrau zum Kind gekommen bin. Ich habe einen Plan, ich weiß was ich will und ich bin mir sicher, dass ich dieser Sache auch gewachsen bin - sonst hätte ich mich gar nicht beworben. Natürlich gehen dir gleich eine Unmenge von Gedanken durch den Kopf, wie du das jetzt alles anpackst. Ich freue mich unheimlich auf die Arbeit und auf das Teamwork mit allen Trainern, den BVSA-Mitstreitern im Vorstand und den Kommissionen.

Hättest du dir mal träumen lassen, diesen Job eines Tages zu bekommen?

Steinwerth: Vor zwei, drei Jahren hätte ich das nicht für möglich gehalten. Ich war lange, lange Vereinstrainer, hab erst sehr spät in die Verbandsschiene Einblick bekommen. Als Vereinstrainer kümmerst du dich ja vorrangig erst mal um die eigenen Belange des Clubs, in Anfangszeiten konnte ich nicht mal sagen, was jetzt genau eigentlich die Landesauswahl ist, wie das alles funktioniert.

Das hat sich aber in den vergangenen Jahren grundlegend geändert. Mein Vorgänger auf der Pool-Trainerstelle Jochen Gierich hat mich an die Verbandsarbeit herangeführt und ich hab sofort Feuer gefangen. Ich denke aber, dass mir auch meine frühere Arbeit im Verein in Zukunft viel helfen wird, denn ich weiß dadurch, was es für Probleme gibt und wo man als Verband unterstützen kann und muss.

2009-10-31-iv-steinwerth-textSeit dem 1.1.2007 bist du einer von zwei Pooltrainern im BVSA und damit dem bisherigen Landestrainer unterstellt. Wie hast du den BVSA in dieser Zeit kennengelernt?

Steinwerth: Der Verband hat sehr viele gute Ideen, wir arbeiten inhaltlich auf dem Feld und im Training sehr gut, müssen uns da nicht vor den größeren Verbänden verstecken. Das Problem ist die Grundausbildung unserer Kids.

Als ich zum Beispiel das erste Mal Headcoach bei einer Landesauswahl war, bin ich teilweise mit völlig falschen Vorraussetzungen an die Sache herangegangen. Ich dachte Auswahl heißt, du bekommst jetzt die besten Spieler des Landes und kannst jetzt mit denen richtig was machen. Und dann stellst du fest, dass viele Grundlagen nicht vorhanden sind, und plötzlich musst du als Landesauswahltrainer an Dingen arbeiten, von denen du dachtest, es wäre nicht mehr nötig.

Im Umkehrschluss heißt das für mich, dass wir noch mehr einen Wissenstransfer von der Spitze in die Breite schaffen müssen, um als Verband insgesamt mehr zu profitieren.

Du trittst in große Fußstapfen - Martin Dornhoff hat in den vergangenen Jahren viel für den BVSA erreicht. Die Verantwortungsträger im Verband wünschen sich, dass du seine Arbeit kontinuierlich fortsetzt. Was heißt das für dich?

Steinwerth: Martins großes Plus war seine diplomtische Art, er hat zu allen einen guten Kontakt gepflegt und damit viel Vertrauen geschaffen. Das ist eine ungemein wichtige Sache, denn wir sind ein sehr kleiner Verband, und da ist es unabdingbar, dass zwischen den Vereinen und dem Verband auch in Zukunft diese Vertrauensbasis bestehen bleibt. Bei allen Dingen, die man durchsetzen will, muss man immer darauf achten, es mit- und nicht gegeneinander zu tun. Es gilt an einem Strang zu ziehen.

Und natürlich schätze ich an Martin Dornhoff sein unglaubliches Lebens- und Fachwisssen. Er ist für viele im Land ein Mentor und Vater gewesen. Das sind Schuhe, die ich mir noch nicht anziehen kann.

Martin Dornhoff hat dir geraten, trotzdem auch einen eigenen Weg zu finden. Wie könnte der für dich aussehen?

Steinwerth: Natürlich will ich zunächst wie schon beschrieben die vorhandene Vertrauensbasis pflegen, ich denke aber auch, dass ich manchmal vielleicht ein härterer Verhandler sein kann als Martin. Wenn ich auf Wiederstände stoße, werde ich meine Position auf  jeden Fall nochmal überprüfen, aber prinzipiell auch Grenzen ziehen und manchmal vielleicht sagen: Bis hierhin und nicht weiter.

Ich denke, dass wir in Zukunft viele Kleinigkeiten noch besser machen können, vor allem was die Struktur angeht. In manchen Bereichen sind einfach klarere Absprachen notwendig, zum Beispiel bei der Kategorisierung unserer Vereine. Ich hielte es für besser zu sagen: Das sind unsere Leistungssportvereine und das unsere breitensportorientierten - mit den entsprechenden Rechten und Pflichten, die dann auch beide Seiten akzeptieren.

Wo wirst du den Hebel zuerst ansetzen?

Steinwerth: Ganz klar bei der Sportschule. Wir müssen es schaffen, den Ruf der Sportschule unbedingt zu verbessern. Inhaltlich wird dort sehr gut gearbeitet, aber die Außenwirkung hinkt hinterher. Viele Eltern und Trainer haben Bauchschmerzen ihre Kids dorthin zu schicken - und das manchmal zurecht. Wenn man teilweise sieht, wie der Sport und die Schule manchmal eher nebeneinander statt Hand in Hand arbeiten, muss sich da was tun. Sportlich müssen wir noch mehr Qualität bringen, vor allem Betreuungsqualität.  Es gibt da ja im Moment zwei verschiedene Sichtweisen über das Spieler-Trainer-Verhältnis. Die eine ist, dass sich der Trainer nur um das kümmert, was innerhalb der Halle passiert und sonst um nichts. Ich aber glaube, dass es da erst anfängt, vor allem bei den Kaderathleten. Sie müssen sich in jeder Hinsicht an der Sportschule gut betreut fühlen.

2009-10-31-iv-steinwerth-text-2Der Landestrainer ist jedoch nicht nur für Auswahlen oder Kaderspieler zuständig, sondern soll eigentlich auch erster Ansprechpartner für alle anderen Trainer des Landes sein.

Steinwerth: Genau so sehe ich es auch. Ich möchte versuchen, das vorhandene Potenzial unserer vielen guten Trainer noch besser zu nutzen. Dazu schwebt mir ein Mentorenprogramm vor. Jeder hauptamtliche Trainer des Verbandes ist in so einem System für drei oder vier Trainer an den Stützpunkten zuständig, mit denen er die Grundzüge abstimmt, die Trainer berät und weiterbildet. Was nützt es, wenn die Verbandstrainer alle zwei Wochen am Stützpunkt vorbeischauen, viel wichtiger ist doch, was die Übungsleiter vor Ort dann in der restlichen Zeit in ihre tägliche Arbeit einbauen. Da muss ein Wissenstransfer her. Ich weiß, dass es länger dauern wird, dieses Programm umzusetzen. Aber ich denke, es ist der richtige Weg.

Ist der große Abstand im Nachwuchs zwischen einem relativ leistungsstarken weiblichen Bereich und einem hinterhinkenden männlichen Bereich zu schließen?

Steinwerth: Nein. Der weibliche Bereich wird und muss der führende bleiben. Ich denke aber, es wäre schlimm, wenn wir auch in drei, vier Jahren meiner Arbeit als Landestrainer immer noch keinen einzigen männlichen Kandidaten für die DBB-Auswahlen haben. Die Lücke wird schwer zu schließen sein, aber gerade hier könnte das Mentorenprogramm gut funktionieren. Wir dürfen da nicht locker lassen und müssen ehrgeizig sein. Die ersten Ansätze sieht man ja schon.

Welche Rolle spielen dabei die großen Vereine im Land?

Steinwerth: Im weiblichen Bereich ist der SV Halle natürlich ein Leuchtturm. Zusammen mit dem MBC bei den Männern sind das Clubs, die unseren Talenten zeigen: Es gibt hier in Sachsen-Anhalt eine Perspektive für euch. Ich denke aber, beide müssen noch mehr in die Kaderentwicklung eingebunden werden. Die BG Magdeburg ist ganz klar das Aushängeschild im Norden. Die BSW Sixers sind definitiv der aufstrebende Verein des Landes. Ich freue mich auf die Kommunikation und die Zusammenarbeit.

Was macht für dich einen guten Basketball-Trainer aus?

Steinwerth: Es ist weniger das Fachwissen, sondern die Art und Weise, wie er mit den Spielern umgeht. Ich sehe das an mir, ich bin manchmal noch viel zu impulsiv und ungeduldig. Das liegt vielleicht auch an meinem Alter. Die Inhalte müssen als Basis da sein, klar, aber ein richtig guter Trainer kann sich seinen Spielern, seinem Team und ganz verschiedenen Situationen anpassen.

Wie sieht für dich eine ideale Trainingseinheit aus?

Steinwerth: Hochintensiv mit viel Spaß. Für mich ist wichtig, dass die Kids, wenn es um Leistungsbasketball geht, die richtige Einstellung besitzen, von allein hart arbeiten wollen. Ich mag es, wenn es am Ende eines Trainings bei den Spielern “Klick” macht, wenn sich eine Entwicklung zeigt, auch wenn sie vielleicht nur klein ist. Dann bekomme ich schon mal ne Gänsehaut. Wenn der Spieler vor dir steht - obwohl schweißtriefend und echt fertig - und trotzdem ein Glänzen in den Augen hat und sagt: “Das war gut heute”, dann war es eine ideale Einheit.

Gibt es für dich auch ein Leben nebem dem Basketball?

Steinwerth: (lacht) Eigentlich nicht. Ich befasse mich eigentlich ständig damit. Abschalten geht nur ganz selten, vielleicht wenn man abends mal mit Freunden ein Bier trinken geht. Auch zwei Wochen wegfahren funktioniert bei mir nicht. Basketball macht mir so viel Spaß, dass ich es nicht schaffe, mehr als zwei oder drei Tage mich nicht damit zu beschäftigen. Ich brauche keinen Urlaub. Ich bekomme meine Energie auf dem Feld.

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