
Mehr als fünfzig Basketballspiele werden jedes Wochenende während der Saison von den im BVSA organisierten Teams absolviert. Dabei kommt es nicht nur auf dem Feld, sondern auch daneben zu vielen kleinen und großen Geschichten. Einige davon sollen jeden Mittwoch hier in der Rubrik Basketball-Szene erzählt werden. Diese Woche geht es um zwei Rückkehrer und drei ganz unterschiedliche Debüts.
Wenig Zeit zum Durchatmen
Viel Zeit bleibt dem neuen JBBL-Team des Landes nicht, um die 42:84-Auftaktniederlage am Wochenende bei Alba Berlin aufzuarbeiten. Schon am heutigen Mittwochabend müssen die Jungs von Coach Christian Steinwerth schon wieder ran - ab 18.30 Uhr heißt der Gegner in der halleschen Burgstraße IBBA Berlin. “Wir haben gegen Alba spielerisch ganz vernünftig ausgesehen und wollen jetzt gegen IBBA auch in Sachen Abschluss besser werden. Zudem müssen wir in der Verteidigung die Rebounds besser kontrollieren”, fasste Steinwerth in seiner Auswertung kurz zusammen.
Auch dem großen Bruder erging es beim NBBL-Saisonstart nicht entscheidend besser. Die Mannschaft unter Flagge des MBC unterlag daheim den Franken Hexern aus Nürnberg mit 63:82. Beste Punktesammler für die neu zusammengestellte MBC-Truppe waren Paul Münsinger und Tim Vogt mit jeweils 18 Zählern.
Die Sachsen-Anhalt Fahne hoch hielten dagegen die jungen Lions des SV Halle (Foto) in der neugegründeten WNBL.
Das erste Heimspiel am Sonntag gewann die Mannschaft vom Trainergespann Martin Dornhoff und Susan Säumel gegen SG 1886 Weiterstadt sicher mit 69:34. Bei Halle ragten die bereits auch zum Erstligakader gehörenden Laura Hebecker (21 Punkte) und Maria Uhlenhaut (24) heraus. Erfreulich war die Zuschauerresonanz. Rund 120 Basketballfreunde kamen in den halleschen Löwenkäfig um die Talente zu bestaunen. Weiter so bitte.
Groundhopper Gartmann
Zweite Regionalliga, NBBL, WNBL und zweimal Oberliga: Wer dieses Basketball-Mammut-Programm von fünf Begegnungen an einem Wochenende als Fan auf sich nimmt, der muss hart gesotten sein. Oder eine weite Anreise hinter sich haben. Beides trifft auf Michael Gartmann zu, der am vergangenen Wochenende seine neue Wahlheimat Speyer verließ - zwei Tage lang stattete der Nachwuchstrainer der früheren “Hood” in Halle einen Besuch ab - und dabei standen natürlich die Spiele, an denen einige seiner ehemaligen Spieler beteiligt waren, ganz oben auf der Wunschliste.
Zur besten Kaffee- und Kuchen-Zeit startete Gartmanns kleiner Groundhoppingtrip in der Oberliga - der Tabellenführer HSC II empfing Wolmirstedt. Und unterlag zum ersten Mal in dieser Saison. “Die Baskets profitieren noch von den Einflüssen eines Karl-Heinz Gärtner”, sah Gartmann (Foto) einen nicht unbedingt überzeugenden Vorjahresfinalisten.
Seinen Platz musste er erst gar nicht verlassen, stand doch mit der Zweitregionalligapartie des HSC gegen Cottbus gleich im Anschluss an gleicher Stelle das nächste Spiel auf dem Zettel. Wieder unterlag Halle,wenn auch knapp. Spiel drei des Tages führte den mittlerweile 33-Jährigen zurück in die Oberliga. “Der USV hat mir sehr gut gefallen”, so das Urteil nach dem klaren Sieg der Hallenser gegen die Tigers II, “von den Oberligamannschaften die ich gesehen habe oder besser kenne, sehe ich keine, die dem USV im Moment das Wasser reichen kann.” Hier und da noch der eine oder andere Plausch mit Bekannten waren natürlich Pflicht, genau wie eine kurze sportliche Einschätzung der Leistung.
Die gab es natürlich auch am Sonntag. “Was die Mädels in der WNBL gespielt haben, war schon toller Basketball”, sah Gartmann einen klaren Sieg der SV Lions. Weniger erfolgreich präsentierten sich die MBC-Jungs in der NBBL, aber darum ging es ja zumindest für den ehemaligen Dessauer/Hallenser auch nicht. “Es war schön mal wieder hier gewesen zu sein und so viele bekannte Gesichter zu sehen.” Der nächste Heimatbesuch soll dann Anfang Dezember in Richtung Dessau gehen - dort könnte es aber maximal drei Spiele für Gartmann geben. Dennoch dürften auch hier viele alte Freunde auf ihn warten.
In ewiger Verbundenheit

Nicht nur in Sandersdorf beliebt: Chris Anderson. // Foto: André Kehrer
Freunde warteten am vergangenen Sonnabend auch auf Chris Anderson in Göttingen. Natürlich zuerst die zahlreichen mitgereisten Fans von Erstregionalligist BSW Sixers, die ihr Team wie immer auch auswärts begleiten. Aber eben auch ein paar andere. Ein Unbekannter ist der Deutsch-Amerikaner in Göttingen nämlich wirklich nicht. “Es ist erst drei Jahre her, dass ich dort gespielt habe und mit der ersten Mannschaft in die Bundesliga aufgestiegen bin”, erinnert sich Anderson.
In der höchsten deutschen Spielklasse stand er mit Göttingen zwar nicht auf dem Parkett, aus dem Gedächtnis der dortigen Anhänger ist er allerdings nicht gelöscht. Und so erreichte auch sie im Januar dieses Jahres die Nachricht, dass Anderson nun für die Sixers spielt. Wie groß die Bewunderung für den Flügelspieler noch immer ist, zeigte sich am 19. April. Die Sixers weilten am vorletzten Spieltag der abgelaufenen Saison in Oldenburg.
Den Weg dorthin fanden auch ein paar Fans aus Göttingen und rollten ein großes Plakat aus: “Chris du bist der Größte” stand darauf. “Das war schon ein tolles Gefühl”, erinnert sich Anderson. Umso gemischer stand es um die Gefühlslage an diesem Wochenende. “Es war gut und schlecht zugleich”, blickt der 34-Jährige zurück, “aber ich finde es immer schön, wenn man in eine Halle kommt, in der man schon einmal gespielt und in der Stadt gewohnt hat.”
Der Auftakt des 84:74-Auswärtssieges verlief aber nicht nur für sein neues Team, sondern auch für ihn alles andere als ideal. “Nichts getroffen.” Auch ein Blick auf die Wurfquote bestätigt diese kritische Eigenanalyse. Gerade einmal ein Drittel seiner Würfe fand an diesem Tag das Ziel, 73 beziehungsweise 64 Prozent waren es noch in den beiden Spielen zuvor. Trotzdem sammelte Anderson in seiner alten Heimhalle am Ende 15 Zähler - und fand genau wie sein Team über den Kampf zurück in Spiel und Erfolgsspur.
Und auch wenn er seinen alten mit seinem neuen Club besiegte, konnte ihm in Göttingen nach dem Spiel keiner so richtig böse sein. Die Sixersfans ohnehin nicht, aber auch von den Göttingern gab es Umarmungen und viele nette Worte. Das mit dem Wiedersehen klappt diesmal aber etwas schneller. Bereits am 7. November stehen sich beide Teams wieder gegenüber - dann steigt das Rückspiel in Sandersdorf. Doch bewundert wird er nicht nur dort.
Clip der Woche
Für alle, die jetzt anfangen zu bibbern: Eine kleine Erinnerung an wärmere Zeiten im Jahr. Good old Halle. Wo gibts eigentlich den Magdeburg-Freiplatz-Clip? Keine Westcoast im Land?
Zitat der Woche
“New York schläft nie. Elbingerode schon um halb zehn.”
Everage Richardson, aus Brooklyn stammender US-Profi bei Nordwest-Landesligist TuS Elbingerode.
Christian Kattner gehört zum BVSA-Medienteam, lebt in Dessau und kann per Mail erreicht werden.