Basketball News

Legenden - Marlies Ixmeier

Sonntag, 4. Oktober 2009

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Sie haben den Basketball in Sachsen-Anhalt geprägt, sind untrennbar mit der Geschichte dieses Sportes in Mitteldeutschland verbunden. In der BVSA-Serie „Legenden” werden Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Vereinsfunktionäre vorgestellt, die für immer unvergessen bleiben. Den Anfang macht Marlies Ixmeier aus Sennewitz bei Halle, die heute ihren 75. Geburtstag feiert.


2009-kattner-christian-autorNeue Korbanlagen, neues Parkett, neu errichtete Zuschauertribünen, sanierter Sanitätsbereich - so präsentiert sich heute die Sporthalle Burgstraße in Halle. Das war allerdings nicht immer so. Kaum vorstellbar, dass auf diesem historischen Fleckchen Basketballgeschichte einmal auf rotem Ziegelmehl gespielt wurde, es keine Duschen gab, der Ort vorher gar dem Militär als Reithalle diente. „Anfangs sind wir nach dem Training mit schmutzigen und nassgeschwitzten Körpern nach Hause gefahren”, erinnert sich Marlies Ixmeier, „die Duschräumlichkeiten, die es heute noch gibt, haben wir Spieler damals erst mit aufgebaut.”

Die seit heute 75-jährige Sennewitzerin ist die erste Basketballerin Sachsen-Anhalts, die in den fünfziger Jahren in die damalige Berliner Phalanx der DDR-Nationalmannschaft vordringen konnte. „Sie ist ein sehr zielstrebiger und ehrgeiziger Mensch”, weiß auch Gunther Schmidt zu berichten, einer ihrer früheren Trainer. „Diese Eigenschaften haben sie in ihrem Leben soweit gebracht.” Soweit heißt in dem Fall nicht nur in den Kader der DDR-Auswahl, sondern sogar bis zum Amt des Kapitäns. „Sie hat auf dem Feld das von anderen erwartet, was sie von sich selbst auch verlangte”, so Schmidt, „und das war sehr viel.”

Es war die Eleganz

Basketball war zu dieser Zeit eher eine Randsportart, die zudem noch in den Kinderschuhen steckte - Fußball, Handball und Volleyball waren angesehener. So kam auch Marlies Ixmeier über Umwege zu der Sportart, die sie in ihren Bann ziehen sollte. Zuerst probierte sie Handball - zu brutal, dann Volleyball - nach einem Training abgehakt. Schließlich absolvierte sie ein Basketball-Probetraining und war sofort begeistert. „Die Eleganz in den Bewegungen haben mich fasziniert”, beschreibt sie ihre Eindrücke, „außerdem war Basketball nicht so körperbetont.”

Das hat sich mittlerweile geändert, genau wie die Kleidung der Spielerinnen. „Wir trugen damals noch weiblichere Trikots und Hosen”, lächelt Marlies Ixmeier, „und auch die Bälle waren aus richtigem Leder.” Irgendwie wie damals alles ein wenig anders - eben noch im Entstehen. Ebenso das spielerische Potenzial der Sportler. „Damals haben alle erst während oder nach dem Studium angefangen zu spielen”, so Ixmeier, „erst die Generation nach uns hat bereits in der fünften Klasse begonnen.” Ganz ohne basketballerische Vorkenntnisse stieg Marlies Ixmeier jedoch nicht ein: „Während des Studiums haben wir ein wenig die Grundlagen gelernt”, erinnert sich Ixmeier, „mein Vorteil war allerdings, dass ich seit meiner Jugend viele Sportarten betrieben hatte.”

Marlies Ixmeier feiert heute ihren 75. Geburtstag. //Foto: privat

Marlies Ixmeier feiert heute ihren 75. Geburtstag. //Foto: privat

In Halle studierte die 1934 im heute zu Polen gehörenden Schneidemühl geborene Marlies Ixmeier am Institut für Körpererziehung. „Eine der besten Entscheidungen in meinem Leben”, ist sie noch heute überzeugt. Mit dem erhaltenen Examen und ihrem Beruf als Sportlehrerin fühlte sie sich allerdings nicht ausgelastet. „Ich wollte auch nach meinem Studium regelmäßig Sport machen.”

Und so fand sie sich 1955 in der Basketballmannschaft der HSG Wissenschaft wieder - eine Spätstarterin. Aber nicht ohne Talent. Das fiel auch Leo Hübner, dem Vater des halleschen Basketballs auf. Nach Gerd Konzag trainierte er Marlies Ixmeier zwar nur ein halbes Jahr - aber es sollte die entscheidende Phase ihrer Karriere sein. „Leo Hübner war eine große Persönlichkeit, die mich sehr geprägt hat”, lauten noch heute ihre bewundernden Worte, „und ich glaube das gilt für eine ganze Generation von Spielern.”

Doch auch die Karriere von Marlies Ixmeier sollte Ansporn für viele ihr folgende Körbjägerinnen sein. Drei DDR-Meistertitel, 37 Länderspiele und mit der Ernennung zum „Meister des Sports” die höchste Auszeichnung für einen Einzelsportler in der DDR. „Wir sind wirklich stolz darauf, Vorreiter in dieser Sportart zu sein”, ist sich Ixmeier noch heute bewusst. Selbst vor der eigenen Familie machte das Virus nicht halt - einer ihrer Söhne schafft es sogar bis in die Juniorenauswahl der DDR. Auch nach ihrer aktiven Karriere war die Sennewitzerin stets dem Basketball verbunden. Egal ob als Mitglied des Präsidiums im DDR-Verband, Teambetreuerin der Nationalmannschaft und der halleschen Damen oder Trainerin ihrer Schulmannschaft.

Aufhören im richtigen Moment

So richtig Abschied vom Parkett nahm sie allerdings erst 2002. „Ich habe immer irgendwie Basketball gespielt”, so Ixmeier, „und ich kann behaupten im richtigen Moment aufgehört zu haben. So behalten mich meine letzten Mitspieler in guter Erinnerung.” Und sie den Sport, der ihr Leben so sehr prägte und veränderte: „Der Basketball”, sagt Marlies Ixmeier,” hat auf mein Leben und meine Persönlichkeitsentwicklung einen ganz großen Einfluss gehabt.”

Christian Kattner gehört zum BVSA-Medienteam, lebt in Dessau und kann per Mail erreicht werden.