
Wenn Ende September die Regionalligen in ihre neue Saison 2009/10 starten, dann wird der BVSA erneut gut vertreten sein: Denn obwohl beide Landesmeister aus Sachsen-Anhalt auf ihr Aufstiegsrecht verzichtet haben und der MBC II seine Reserve für den Erfolg in der BBL geopfert hat, gehen bei den Damen und Herren immer noch sechs BVSA-Mannschaften auf Korbjagd. Der Regionalliga Camp-Report stellt sie vor. Teil 3: Die Aschersleben Tigers in der 2. Regionalliga Ost der Männer.
Die Lage
Der Schwere der Situation vor der vergangenen Saison ist man sich in Aschersleben noch immer bewusst. “Wir mussten eine Mannschaft um einen neuen Trainer bilden”, schaut Vorstandmitglied André Blechschmidt zurück, “ich denke wir haben uns ganz gut gefunden, konnten die Großen ein wenig ärgern und haben gegen die Kleinen etwas geschludert.” Nach insgesamt vier verschlissenen Amerikanern fand man sich am Ende der Saison 08/09 dann auf einem respektablen fünften Tabellenplatz in der 2. Regionalliga Ost wieder.
Nach dem einjährigen Probelauf und genauer Betrachtung des Kaders bescheinigte man diesem intern genug Potenzial für die Spielklasse. Aus dieser Erkenntnis wuchs die Idee, es in dieser Saison ohne amerikanische Unterstützung anzugehen. “Wir sind der festen Überzeugung mit den Spielern die wir haben, eine gute Rolle in der Liga zu spielen”, so Blechschmidt. Auch wenn es mit Sicherheit nicht ganz so spektakulär im Ascherslebener Ballhaus zugehen wird, geht damit der Fanwunsch nach möglichst vielen einheimischen Spielern in Erfüllung.
Sollte der erhoffte Erfolg allerdings ausbleiben und das Team ins Schlingern geraten, sei die kurzfristige Verpflichtung eines Amerikaners immer eine Option für die Tigers. “Wenn wir unsere erste Mannschaft als Zugpferd nicht mehr hätten, wäre der Basketball hier vermutlich am Ende”, weiß auch Blechschmidt.
Die Neuen

Marco Klingbergs Routine soll den jungen Tigers den Weg in die Spitzengruppe der 2. RL ebnen. //Fotos: Mario Scheffler, www.ics-asl.de
Bislang können die Tigers fünf neue Gesichter für ihr Regionalligateam präsentieren. Das bekannteste dürfte dabei unbestritten Marco Klingberg gehören. Hatte “Klinge” nach vielen Jahren in Magdeburg ursprünglich einen leisen Rückzug aus dem Regionalligabasketball, verbunden mit einem Trainerposten in Wolmirstedt angekündigt, scheint er noch einmal, wie einst Rocky Balboa, das Auge des Tigers in sich entdeckt zu haben. Seine Gegner heißen allerdings nicht Clubber Lang oder Ivan Drago, sondern sind genau wie er größtenteils erfahrene Regionalligaspieler aus Berlin und dem Speckgürtel der Bundes- und Basketballhauptstadt.
Vor allem die jungen Spieler im Kader sollten von seiner Routine profitieren. Die Magdeburger Erfahrungs-Schatzkiste dürfte vor jeder Fahrt nach Aschersleben auch von Alexander Stolpe gefüllt werden. Auch er wollte eine basketballerische Veränderung und möchte nicht nur einen Stammplatz auf “Klinges” Beifahrersitz haben. Die drei aus Leipzig gewechselten Benjamin Troppa, Thorben Schwieder und Zmaray Rafiq-Dost dürften eher als Ergänzungsspieler gelten. Aber vielleicht wird ihnen im Laufe der Saison noch eine wichtige Rolle zuteil.
Rotation
Guards: Rico Warias, Zaher Rafiq-Dost, Marco Klingberg, Alexander Stolpe
Forwards: Svend Hasak, Faesal Faqui, Christian Kregelin, Daniel Havlitschek, Benjamin Troppa, Zmaray Rafiq-Dost, Thorben Schwieder
Center: Steffen Müller, Sebastian Lindenberg, Jens Neumann
Prognose
Die Tigers selbst zählen sich neben dem HSC, Cottbus und den Berlin Baskets als einer der Favoriten der Liga. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, wird das ausgegebene Saisonziel definitiv erreicht - mindestens einen Platz besser als im Vorjahr will man abschneiden.
Blickt man auf den Kader, sticht kein Spieler besonders hervor. Auf Go-To-Gyus wie etwas Omaar Smith will man in Zukunft verzichten, der herausragende 45-Punkte-Mann fehlt. Diese scheinbare Schwäche kann aber auch zu einer Stärke werden. Das Team ist weniger leicht ausrechenbar, keiner schaut nur auf die eigenen Stats. Mit Stolpe und Klingberg kam dagegen Routine zu den jüngeren Tigern. Die können von den beiden Rudeltieren sicherlich profitieren, können allerdings nicht sämtliche Last auf deren Schultern laden.
Stark besetzt sind in jedem Fall die Flügelpositionen, Schwächen sind sicherlich die fehlende Größe im Team und ein dominanter Aufbauspieler. Sollte sich Rico Warias auf dieser Position jedoch weiterhin so gut entwickeln, dürfte er zu einem wichtigen Faktor im Spiel der Tigers werden. Eine Prognose zum Abschneiden der Tigers ist nur schwer zu treffen. Das Experiment ohne Amerikaner kann aufgehen, doch vor allem gegen die oftmals routinierteren und eingespielteren Teams aus Berlin, dürfte es schwer werden. In der derzeitigen Besetzung wäre eine neuerlich Platzierung unter den besten fünf Mannschaften ein Erfolg.
Christian Kattner gehört zum BVSA-Medienteam, lebt in Dessau und kann per Mail erreicht werden.
Bisher erschienen in den Camp Reports:
08.09.2009 - Hallescher SC 96 (2. RL Herren Ost)
15.09.2009 - BSW Sixers (1. RL Herren Nord)