Für einen Tag lang weht am kommenden Sonntag der Duft der großen Basketball-Welt durch die Sportstadt Dessau-Roßlau. Das Länderspiel der deutschen Herren-Nationalmannschaft gegen das Topteam aus Serbien wird die Fans in Scharen in die schon jetzt nahezu ausverkaufte Anhalt-Arena locken. Für die altehrwürdige Halle ist es nach sieben Jahren Pause das vierte Länderspiel der deutschen Korbjäger. Jedes davon hatte ein besondere Geschichte zu erzählen. Und das dürfte sich am Sonntag ganz sicher fortsetzen.
Dirk Bauermann war entrüstet. “Das habt ihr doch abgesprochen”, meinte der Bundestrainer des Deutschen Basketball Bundes lächelnd in Richtung Ralph Hirsch. Der aber war sich keiner Schuld bewusst. Soeben hatte der Sportdirektor der Stadt Dessau-Roßlau auf der Pressekonferenz zur Vorbereitung auf das Basketball-Länderspiel Deutschland gegen Serbien mehr als souverän eine Frage beantwortet.
Ob er denn noch wisse, wer der Topscorer des deutschen Teams im allerersten Länderspiel 1996 in Dessau gegen England gewesen sei - so lautete die Frage des Moderators. Hirsch, ohne mit der Wimper zu zucken, kramte kurz im reichen Erinnerungsschatz der Dessau-Roßlauer Sportgeschichte und ließ sich nicht überrumpeln: “Ganz klar, Henrik Rödl. 19 Punkte.” Warum er das noch wisse? Hirsch lächelte nur. “So ein Spiel vergisst man eben nicht.”
“Wir kommen gern wieder”
Es war ein besonderer Tag für den Basketball in Sachsen-Anhalt, der 18.Dezember 1996. Zum ersten Mal machte das deutsche Nationalteam der Herren mit einem EM-Qualifikationsspiel in den fünf neuen Bundesländern Station. Ein “sportpolitisches Zeichen” sei die Vergabe der Partie an Dessau zunächst gewesen, räumte DBB-Vizepräsident Wolfgang Hilgert ein.
Doch drei Tage Trainingslager, weit über 2.000 begeisterte Fans und einen wichtigen 88:67-Erfolg gegen England später räumte Hilgert ein: “Diese Entscheidung war restlos richtig. Was hier auf die Beine gestellt worden ist, war einfach toll. Uns wird jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Wir kommen gern wieder.”
Drei Jahre später machte der DBB sein Versprechen wahr: Am 27.Februar 1999 war die damals noch als “Sporthalle an der Robert Bosch Straße” fungierende Anhalt-Arena erneut bis auf den letzten Platz gefüllt. Und wieder stand Henrik Roedl im Mittelpunkt. Für den zum Kapitän des deutschen Teams aufgestiegenen Roedl war das EM-Quali-Spiel gegen die Slowakei der 150. Einsatz im Nationaltrikot.
Topscorer beim klaren 79:53-Erfolg über den Nachbarn war diesmal mit 16 Zählern ein Spieler, der es später zum deutschen Rekordakteur bringen sollte: Patrick Femerling. Nicht weniger als 209 Länderspiele sammelte Femerling bis zu seinem Rücktritt nach den olympischen Spielen 2008 in Peking - zwei davon in Dessau.
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Historische Länderspiel-Premiere mit “Doubleheader” 2002
Denn Femerling (Foto) war auch beim vorerst letzten Auftritt des deutschen Teams in Dessau am 23. November 2002 in Dessau dabei. Die damalige Partie der EM-Quali gegen Zypern war Teil eines hisstorischen Basketball-Tages: Zum ersten Mal traten sowohl die deutschen Damen als auch die deutschen Herren am gleichen Tag in einer Halle zu Länderspielen an.
Gegen die deutlich unterlegenen Zyprioten siegte das Team von Bundestrainer Henrik Dettmann in der nun umgebauten und deutlich mehr als 3.000 Fans fassenden Anhalt-Arena mit 94:42. Nur einer der damaligen Nationalspieler wird auch am Sonntag in Dessau noch dabei sein: Sven Schultze.
Und welche besondere Geschichte wird nun die Nummer vier der deutschen Männer-Länderspiele in Dessau erzählen? “Ich könnte mir da einige vorstellen”, meint BVSA-Vorsitzender Bernd von der Heide, der sich genau wie über 2.600 Fans bereits ein Ticket für die Partie gesichert hat. Eine Premiere erlebt die Arena auf jeden Fall: Mit dem Serben Nenad Krstic bekommen die Fans den ersten NBA-Spieler in Dessau präsentiert. “Wir können der Sportstadt Dessau und speziell Ralph Hirsch gar nicht dankbar genug sein, dieses Highlight an Land gezogen zu haben”, freut sich Bernd von der Heide.
BVSA organsiert großes Rahmenprogramm
Sein Verband hat den Sonntag zu einem Basketball-Festtag gestaltet. Bevor um 17 Uhr in der Anhalt-Arena der Anpfiff zur Partie erfolgt, sind in insgesamt drei weiteren Sporthallen schon jede Menge Körbe geworfen worden. Neben einem großen Mini-Turnier (die Siegerteams laufen mit den Nationalmannschaften ein) hat der BVSA auch ein Mädchencamp und ein regionales U16-Turnier organisiert.
“Ich bin mir sicher, die gesamte Basketball-Gemeinde Sachsen-Anhalts ist vor Ort”, meint Bernd von der Heide. Das glaubt auch Ralph Hirsch, der sich diesmal sogar im Vorhinein auf den Topscorer der Partie festlegt: “Er wird ein deutsches Trikot tragen.”
Tickets für die Partie zum Preis von 9,50 bis 18 Euro gibt es noch an den Tageskassen, die um 15 Uhr öffnen.