Basketball News

Angekommen im Gallischen Dorf

Dienstag, 28. Juli 2009

2009-07-28-anderson-head

Chris Anderson ist ansteckend. Doch er ist nicht krank. Hat keinen gefährlichen Virus, vor dem man sich in Acht nehmen müsste. Im Gegenteil: Chris Anderson zieht die Menschen um ihn unweigerlich und wie ein Magnet in seinen Bann. Er lässt sie teilhaben an seinem Leben. Lässt sie sein Glück und seine Zufriedenheit spüren. Chris Anderson ist angekommen. An einem Ort, von dem er sich das wohl nie träumen lassen hätte: Sandersdorf.

Vor gut sieben Monaten ist der 34-jährige Deutsch-Amerikaner als Basketballer zu den BSW Sixers in die 1. Regionalliga gewechselt. Ein Glücksgriff, raunte die halbe Liga - und behielt Recht. Andersons Leistungen, sorgten für Furore, aber auch für Gesprächsstoff: Würden es die Sixers schaffen, diesen außergewöhnlichen Korbjäger halten zu können?

Seit Montagabend, als die Mannschaft zum ersten offiziellen Training für die neue Saison 2009/10 zusammenkam, ist diese Frage beantwortet. „Chris hat sich für die nächsten zwei Jahre für die Sixers entschieden und ich kann gar nicht sagen, wie glücklich uns das macht“, bestätigt Team-Manager Maik Leuschner. Für Anderson musste der Verein wohl bis an seine finanzielle Schmerzgrenze gehen. Gerade das aber imponierte dem sympathischen Familienvater.

Familienmensch Chris Anderson.

Familienmensch Chris Anderson.

„Vom ersten Tag an hier habe ich gespürt, wie sehr man sich um mich bemüht, was man für mich alles möglich machen will.“ Natürlich habe es in der Sommerpause Angebote von höherklassigen Klubs gegeben. „Ich glaube nicht, dass da draußen so viele erfahrene deutsche Spieler wie ich mit meinen Stationen herumrennen.“ Doch die anderen Optionen schlossen nicht ein, was Anderson mittlerweile an seinem momentanen Karrierepunkt wichtig ist. „Ich habe nach dem perfekten Kompromiss zwischen Sport und Familie gesucht“, so Anderson, „und genau den hier gefunden.“ Der Verein habe finanziell ein sehr gutes Angebot gemacht, das ihn und seine Familie, die ganz nah an der Halle wohnt, absichert.

Und dann, das betont Anderson immer wieder, sei da noch diese besondere Situation bei den Sixers. „Manchmal fühlt sich das alles hier wie in der Geschichte von dem kleinen gallischen Dorf an, das gegen das große Rom kämpft.“ Und das eben sehr erfolgreich. „Die Sixers sind ein Projekt, ein Verein, der sehr außergewöhnlich agiert und sich hohe Ziele stellt“, für einen ambitionierten Spieler sei dies eine ideale Situation.

Den neuen Trainer Keith Gray bezeichnet Anderson als „Glückstreffer“ – und muss lächeln. „Ich hab mal gegen ihn gespielt, er war schon Trainer und wir haben ihn ganz bös geschlagen.“ Nun aber sind Gray und Anderson Partner und die wenigsten zweifeln, dass der neue Chefcoach Anderson zu seinem verlängertem Arm auf dem Feld macht. Die letzte Saison, als Andersons Ankunft mitten in der Saison die Hierarchie auf dem Feld etwas durcheinanderwirbelte, ist Geschichte.

In diesem Jahr sollen die Rollen von Anfang an klar verteilt sein – auch zwischen Anderson und dem US-Amerikaner Elton Coffield, der ebenfalls bereits gestern für seine dritte Saison bei den Sixers zurückkehrte. „Elton ist ein junger Spieler mit viel Potenzial und ich denke es ist wichtig, dass ich ihm mit meiner Erfahrung die Richtung zeige.“ Man müsse nun gemeinsam die richtige Rolle finden, „dann sind wir kaum zu stoppen.“

Davon ist Anderson sowieso überzeugt, auch wenn momentan noch zwei Planstellen im Sixers-Kader inklusive des zweiten Amerikaners vakant sind. „Alles andere als sich den Aufstieg zum Ziel zu stellen, wäre Schwachsinn“, sagt Anderson ehrlich, „wir waren eigentlich schon vergangene Saison das beste Team.“ Doch die Summe einiger Baustellen habe den großen Erfolg verhindert. „Diese Erfahrung“, sagt Anderson, „war extrem wichtig für das Management.“

Das hat für die kommende Saison noch einmal kräftig nachgelegt, mit Hilfe von Sponsoren und Unterstützern das Budget wohl erneut erhöht und mit Ronny Weihmann, Hanno Freimuth sowie Matthias Haut bereits drei gelungene Neuverpflichtungen realisiert. Weitere werden kommen und Chris Anderson weiß was das bedeutet: „Wenn die Teile zusammen passen, können wir uns nur selbst schlagen.“ Irgendwie kommt man nicht umhin, dem 34-Jährigen das direkt abzunehmen. Einfach ansteckend.

Thomas Schaarschmidt