Am heutigen Donnerstagabend beginnt mit der Partie Deutschland - Ukraine im polnischen Gdynia für Nadja Prötzig die U20-EM. Die Nationalspielerin aus Halle hofft bei ihrem letzten Nachwuchsturnier auf eine gute Rolle im deutschen Team. So, wie ihr es auch in der vergangenen Spielzeit bei den SV Halle Lions in der Damen-Basketball Bundesliga (DBBL) gelungen ist. Mit bvsa.de sprach die 19-Jährige über ihre Ziele bei der EM, die Gründe für den Wechsel von Halle nach Wasserburg und ihre ganz persönliche Zukunftsplanung.
Während ganz Deutschland die Sommerferien genießt, ist es für sie als Nationalspielerin nicht der erste Sommer, in dem es statt Urlaub heißt: Trainieren und spielen. Schon mal bereut, Basketballerin geworden zu sein?
Prötzig: Nein, natürlich nicht. Es kommt ja immer darauf an, wie man sich den Sommer und die Turniere einteilt. Da Deutschland bisher ja meistens nicht um die vorderen Plätze bei den Europameisterschaften gespielt hat, ist eigentlich immer auch etwas Freizeit geblieben. So wie zum Beispiel vergangenes Jahr in Italien.
Mit welchen Gefühlen brechen sie auf nach Polen?
Prötzig: Ich bin schon etwas aufgeregt und nervös. Immerhin ist es meine letzte Jugend-EM. Ich hoffe, wir schaffen das mit dem Klassenerhalt. Als eine der Spielerinnen mit der meisten Erfahrung werde ich natürlich versuchen, diese in unser Spiel einzubringen. Die Vorbereitung ist gut gelaufen, hier und da gab es Höhen und Tiefen, aber ich bin mit mir zufrieden und hoffe, dass ich während der EM noch zulegen kann.
Sie kommen gerade von einem Turnier in Italien, jetzt geht es direkt nach Polen zur EM. Wann bleibt eigentlich Zeit, sich den neuen Arbeitgeber in Wasserburg anzuschauen?
Prötzig: Eigentlich nicht viel. Ich werde am 20. Juli von der EM zurückkehren, danach bin ich erstmal zu Hause in Halle und tue gar nichts. Außer den Führerschein machen. Wasserburg hat sich für mich um eine Wohnung gekümmert, gesehen habe ich die allerdings noch nicht. Doch bevor es richtig losgeht, Trainingsstart ist am 1. September, werde ich nach Wasserburg fahren und mir alles dort anschauen.
War Wasserburg von Anfang an die Nummer eins auf ihrer Wechselwunschliste?
Prötzig: Eigentlich nicht. Ich hätte auch nicht erwartet, dass sie mir ein Angebot machen. Für mich stand fest, dass ich mit dem was ich tue und liebe, nämlich Basketballspielen, Geld verdienen will. Das geht sicher auch im Ausland, doch auf der anderen Seite ist Wasserburg zur jetzigen Zeit einfach die beste Entscheidung. Ich habe die Möglichkeit, in einem guten Team zu spielen und zu trainieren.
Wie lange haben sie darüber nachgedacht eventuell doch beim SV Halle zu bleiben?
Prötzig: Die Möglichkeit war da, ich habe ein Angebot der Lions bekommen und natürlich habe ich auch überlegt. Aber dann gab es eben noch dieses Angebot aus Wasserburg und dann war die Entscheidung klar.
Nach einer tollen Spielzeit werden die Lions 2009/10 ein völlig neues Gesicht bekommen, ist der Erfolg aus der Vorsaison damit wiederholbar?
Prötzig: Das kann ich als jetzt Außenstehende schwer beurteilen. Natürlich wird es nicht leicht, wieder so erfolgreich zu sein, in der vergangenen Saison hat keiner mit uns gerechnet, wir waren das Überraschungsteam. Jetzt haben alle die Lions auf der Liste. Doch ich hoffe und wünsche es dem Verein, dass es weiter so gut läuft, schließlich freue ich mich ja auch jetzt schon auf die Duelle.
Zwischen Halle und Wasserburg liegen 484 Kilometer, man fährt nicht mal eben so nach Hause. Was werden Sie an ihrer Heimat am meisten vermissen?
Prötzig: Die Freunde, mein Umfeld und irgendwie auch den Osten und das Feeling hier. Doch ich will eben Profi werden und dafür muss man Herausforderungen annehmen.
Bundestrainer Imre Szyttia hat über Nadja Prötzig vor kurzem gesagt: Wenn sie so weiter macht wie bisher, dann heißt ihre Perspektive A-Nationalmannschaft. Großer Ansporn oder hohe Bürde?
Prötzig: Bisher wusste ich von seiner Aussage noch nichts (lacht), doch es ist natürlich schön das zu hören. Ich werde trotzdem relaxt bleiben, es bringt nichts, sich da reinzusteigern. Erst mal geht es darum, meine Leistung weiter zu steigern. Irgendwann in der A-Nationalmannschaft zu spielen, wäre eine große Ehre, doch ich bin jemand, der immer im hier und jetzt lebt.